Schlagwort: Fußgängerschutz und Fußgängersicherheit

Fußgängerschutz und Fußgängersicherheit: Der Airbag ist längst ein Klassiker bei den Verkehrssicherheitssystemen. Foto: blende11.photoDass die Anzahl tödlicher Unfälle im Straßenverkehr in den vergangenen Jahren gesunken ist, ist insbesondere dem Umstand zu verdanken, dass die Automobilindustrie ihre Fahrzeuge mit immer wirkungsvolleren Schutzvorrichtungen und Sicherheitssystemen ausrüstet. Allerdings in erster Linie mit Blick auf die Fahrzeuginsassen. Diese erfahren einen zusätzlichen Schutz dadurch, dass neue Fahrzeugmodelle kontinuierlich breiter, länger und kompakter, kurzum robuster ausfallen.

Fußgängerschutz hat Vorrang

Soweit so gut – zumindest für die eine Seite. Nicht aber für die  Straßenverkehrsteilnehmer, die sich außerhalb eines Pkws befinden und folglich über keine schützende „Knautschzone“ verfügen. Denn im Falle einer Kollision steigt deren Verletzungsgefahr, je größer und massiger das beteiligte Unfallfahrzeug ausfällt. Dies und die Tatsache, dass gerade große Geländewagen oft durch sehr schlechte Werte beim Fußgängerschutz auffallen, dürfte mit ein Grund dafür sein, dass trotz der sinkenden Unfallquote, die Zahl der Unfalltoten im vergangenen Jahr laut vorläufiger Auskunft des Statistischen Bundesamtes mit 3.991 Unfallopfern um 9,4 Prozent gestiegen ist. Bei über der Hälfte der Betroffenen handelte es sich um Fußgänger, Fahrrad- und Motorradfahrer. Hinzu kommt: Bei schönem Wetter steigt mit den erfahrungsgemäß höheren Fahrgeschwindigkeiten auch die Unfallgefahr. Zumal besagte Risikogruppe bei günstigen Witterungsbedingungen besonders stark vertreten ist.

Fußgängersicherheit im Test

Einen wichtigen Beitrag in die richtige Richtung leistet hier der Euro NCAP-Chrashtest: Die Beurteilung des Aspekts Fußgängerschutz ist zwar bereits seit dem Jahr 2009 Bestandteil dieses Tests. Doch in den nächsten sieben Jahren sollen die Anforderungen an dieses spezielle Sicherheitsmerkmal steigen. Allerdings mit der Einschränkung, dass Fahrzeuge über 2,5 Tonnen erst ab 2015 davon betroffen sein werden. Allerdings ist gut beraten, wer sich schon jetzt „freiwillig“ auf den Fußgängerschutz konzentriert. Ein gutes Argument liefert der Jeep Compass. Er erhielt beim aktuellen Euro NCAP-Crashtest des österreichischen ÖAMTC in der Gesamtwertung statt der möglichen fünf Sterne nur drei. Hauptgrund sei die Fußgängersicherheit gewesen, die lediglich bei 23 Prozent lag, betont ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. Aus dem gleichen Grund sprach er auch dem Dacia Duster nur drei Sterne zu. Und so verwundert es nicht, dass immer mehr Automobilhersteller dazu übergehen, in allen Gewichtsklassen die Schutzmaßnahmen zugunsten aller Verkehrsteilnehmer auszudehnen.

Eine Frage der Prävention: Bremsassistenten & Co.

Die eindeutig effektivste Maßnahme in Sachen Fußgängersicherheit ist, potenzielle Unfälle zu vermeiden. Zu diesem Zweck statten viele Fahrzeughersteller ihre Modelle mit entsprechenden technischen Schutzsystemen aus. So zum Beispiel mit einem Bremsassistenten. Dieser erhöht die Chancen des gefährdeten Fußgängers, da er die Zeit verkürzt, die der Fahrer für den Bremsvorgang ohne technischen „Helfer“ im besten Fall bräuchte: Untersuchungen zufolge beträgt die schnellste menschlichste Reaktionszeit etwa eine halbe Sekunde. Serienmäßig wurde die  Bremshilfe weltweit erstmals 2003 beim Toyota Harrier als Bestandteil seines Pre-crash Saftey Systems eingesetzt. Mercedes hatte zwar schon ein Jahr früher ein vergleichbares System in die S-Klasse integriert – ein Notbremsassistent fehlte jedoch damals. Zwischenzeitlich gehört er auch schon in vielen Kleinwagen zur Ausstattung.

Zusätzliche Infrarotprojektoren

Viele Premiumhersteller setzen darüber hinaus auf Schutzsysteme, die zusätzlich sowohl mit Infrarotprojektoren bestückte Scheinwerfer als auch eine am Rückspiegel befestigte Stereokamera beinhalten. Zu finden ist beides unter anderem in der Lexus-Limousine LS. Vorteil der Infrarotprojektoren ist, dass mit ihrer Hilfe Fußgänger auch in der Dunkelheit gut zu erkennen sind. Einen Schritt weiter gehen Mercedes und Audi. Ihr Ziel sind Nachtsichtsysteme, die nicht nur die Fußgängererkennung per Videobild ermöglichen, sondern den Fahrer zugleich über die Entfernung zum Gefährdeten informieren. Ziel ist, durch Super-Sensoren riskante Situationen innerhalb von maximal 200 Millisekunden, bestenfalls sogar in 100 Millisekunden zu identifizieren. Funktionieren wird das innovative Fußgängerschutzsystem über eine mit Videosensoren verbundene Stereokamera (Mercedes) beziehungsweise im Falle Audi mithilfe einer Kombination aus Infrarotgeber und Photomischdetektor. Profitieren werden von diesen Systemen voraussichtlich die Fahrzeuge der nächsten S-Klasse sowie der fürs kommende Jahr angekündigte neue Audi Q7.

Mit der aktiven Motorhaube für den Ernstfall gerüstet

Da auch die beste Prävention keinen hundertprozentigen Schutz vor Verkehrsunfällen bietet, gilt es sich für den Ernstfall zu rüsten. Ein Schlagwort lautet „aktive Motorhaube“: Nehmen die in der Stoßstange des Fahrzeuges eingebauten Sensoren einen drohenden Zusammenstoß wahr, fährt die Motorhaube im Bruchteil einer Sekunde hydraulisch oder per Feder einige Zentimeter nach oben. Dadurch wird das Verletzungsrisiko des Fußgängers vermindert. Denn nun läuft er nicht mehr Gefahr, mit dem Kopf unmittelbar auf die Windschutzscheibe oder   den harten Motorblock zu prallen. Zur Verfügung steht dieser „Schutzengel“ bereits seit zirka 2005. Zu den Pionieren zählte der Citroen C6. Doch auch hier ist in Sachen Weiterentwicklung kein Ende in Sicht, wie Volvo anlässlich eines neuen Modelltyps aus dem unteren Mittelklassensegment zeigt: Bei dem V40 ist ein Airbag in die aktive Motorhaube integriert. Dieser öffnet sich im Falle einer Kollision in Millisekunden nachdem die Motorhaube aktiviert wurde. Da der Luftsack sowohl die Frontpartie als auch einen Teil der A-Säule und Windschutzscheibe abschirmt, sinkt die Verletzungsgefahr für das Unfallopfer erheblich. Hinzu kommt eine elektronische Ausparkhilfe, die zudem auf Radfahrer und Fußgänger aufmerksam macht, die sich in der Nähe des Fahrzeuges befinden.

Crashtest beweist Nutzen

Dass sich die Investition in die aktive Motorhaube lohnt, belegt der aktuelle Euro NCAP-Crashtest. Der wirkungsvolle Fußgängerschutz hat einigen neuen sowie nachgebesserten SUV-Modellen fünf Sterne beschert. Zu den Gewinnern gehören der Chevrolet Captiva, die Mercedes M-Klasse und der Audi Q3. Und so kommen auch die Euro NCAP-Experten zu dem Ergebnis, dass sich Fußgängerschutz und Sicherheit der Pkw-Insassen keineswegs ausschließen müssen: „Eine effektiv entwickelte Motorhaubenstruktur, bei der die Stabilität im Innern erreicht wird, bietet einen guten Fußgängerschutz.“

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Bild: © blende11.photo / Fotolia.de

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